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Mittwoch, 16. März 2011

Von Südamerika zu neuen Ufern

In Rio Carribe sind wir am nördlichsten Punkt unserer Südamerikadurchquerung und an der Karibikküste angekommen. Wir blicken auf sieben Länder mit seinen unterschiedlichen Bewohnern, Traditionen, Geschichten, Musik, …, atemberaubende Natur und die längsten Busfahrten unseres Lebens zurück. Das unbekannte Terrain Südamerika hat sich für uns in den letzten fünf Monaten zu einem bunten Länderteppich verwandelt, der mit jeder Faser einen anderen Klang erzeugt. Bei genauem Hinsehen ist dieser vertrauter als erwartet, denn Spanier und Portugiesen haben viele ursprüngliche „Stofffetzen“ rausgerissen und ihre hinterlassen. Für ein Wiederkommen ist ausreichend Stoff vorhanden.



Nach Europa, Asien und Südamerika schiffen wir uns morgen zur letzten Etappe ein und bahnen uns, beginnend mit Trinidad, abschließend mit Kuba, unseren Weg entlang einiger Inseln der Karibik.

P.S. Danke Danny...;)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Walking Week

Nicht nur um die Welt, sondern auch in ihre Tiefen und auf ihre Höhen reisen wir gern und hatten mit Arequipa einen optimalen Ausgangspunkt für beide Richtungen. Perus zweitgrößte Stadt, im Südwesten des Landes, liegt am Fuße mehrerer Vulkane, die die Landschaft eindrücklich prägen und deren Aktivitäten gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung der aus weißem Lavagestein immer wieder aufgebauten Stadt hatten.


Nach unten ging es in den mit 3.191 Metern zweittiefsten Canyon der Welt, den Canyon del Colca. Vor dem Beginn der dreitägigen Wanderung in, durch und aus dem Canyon erhoben sich über uns am „Cruz del Condor“ die größten Vögel der Welt und ein Condor segelte sogar direkt auf Augenhöhe an uns vorbei. Besonders Martin ließ der Anblick aufgeregt flattern und er verfolgt seitdem jeden schwarzen Punkt am Himmel, welcher einer dieser Riesenvögel sein könnte. Hauptbegleiter auf dem Trek entlang ursprünglicher Andendörfer, künstlicher Wasserkanäle, meterhoher blühender Agaven, unterschiedlichster Kakteen und kantiger Felsformationen war der Staub. Ihn konnten wir am zweiten Tag im Pool in Sangalle, einer blühenden Oase mitten in der Schlucht, bei 30 Grad Celsius planschend abwaschen.

Nach oben ging es auf den mit 6.075 Metern höchsten Gipfel in der Region, den toten Vulkan Chachani. Für unsere zweitätige Miniexpedition liehen wir Thermobekleidung, heuerten einen Guide an, packten vorfreudig und wurden mit dem Jeep von Arequipa aus auf knapp 5.000 Meter „geholpert“. Der rapide Höhenunterschied machte uns im Basislager stark zu schaffen, so dass wir nach einer Nudelsuppe bereits fünf Uhr nachmittags im Zelt verschwanden. Nach unruhigen Stunden im Schlafsack schalteten wir 1:30 Uhr MORGENS die Stirnlampen ein und begannen mit dem anstrengenden Aufstieg über Geröllfelder und Felsen.

So saßen wir an einem Freitagabend beim Italiener und blickten nicht auf eine working-, sondern eine walking-week mit etlichen Kilometern in den Beinen, dicken Staubschichten auf Kleidung und Gepäck, königlichen Condoren, beeindruckenden Ausblicken,… zurück und beschlossen den Folgetag lediglich spazierend im Kloster Santa Catalina zu verbringen.

Freitag, 26. November 2010

Cuzco

Der Legende nach brach der erste Inkakönig Manco Capác, vom Sonnengott Inti gesandt, vom Titicacasee aus auf, um den Nabel der Welt, in der ursprünglichen Sprache Quechua „qosq´s“ genannt, zu finden. Er legte im 12. Jahrhundert auf luftigen 3.300 Metern Höhe den Grundstein für die Hauptstadt des Inkareiches Cuzco, welche die älteste durchgehend bewohnte Stadt Südamerikas ist. Von hier aus erweiterten die Inkas ihr Herrschaftsgebiet über weite Teile Südamerikas. Mit dem Einzug des spanischen Eroberers Pizarro 1533 in Cuzco war die Blütezeit des Inkareiches beendet und die Kolonialisierung begann. Die Einflüsse der Jahrhunderte waren an vielen Ecken in Form von mächtigen Inkamauern neben typischen Kolonialbauten und prunkvollen Kathedralen für uns greifbar.



Nicht gegen Eroberer, sondern mit dem Wörterbuch bewaffnet, kämpften wir fünf Tage in der Sprachschule mit pasado, futuro, verbos reflexivos, kurz: im Vier-Augen-Nahkampf mit der spanischen Sprache. Unsere ersten Spanischbrocken gemischt mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik wendeten wir einerseits bei Preisverhandlungen auf dem lokalen Markt, andererseits am Tisch unserer Gastfamilie an, wo wir von der drei- und sechsjährigen Tochter korrigiert wurden.

Diese Woche „Alltag“ zwischen traditioneller Andenkultur und modernem peruanischem Leben war eine willkommene Abwechslung zum Backpacking und brachte darüber hinaus interessante Details, für den bevorstehenden Jahreswechsel zu Tage. Wer seinen Partner im neuen Jahr behalten will, trägt gelbe Unterwäsche, rote Unterwäsche „sorgt“ hingegen für eine(n) Neune(n). Materiell Erwünschtes wird bis Mitternacht in Miniaturausfertigung in der Kleidung getragen. Achtung! Wer zu viel Miniaturwünsche in der Hose mit sich trägt, lässt ggf. die Farbe seiner Unterwäsche durchblicken ;)



PS. Gegen die Gaumenerfahrungen der niedlich quietschenden peruanischen Delikatesse „Cuy“ (Meerschweinchen) und „Ceviche“ (rohen in Zitronensaft eingelegten Fisch) wehrten wir uns mit „¡Por favour, no!“ erfolgreich

Donnerstag, 18. November 2010

Machu Picchu

Als wir 6:00 Uhr morgens nach fast 2000 schweißtreibenden Stufen, die wir mit anderen Touristen im Wettstreit um die auf 400 Plätze begrenzten Wayna Picchu (der Fels auf den Fotos) Tickets hinaufgerannt waren, konnten wir nur erahnen, was da vor uns lag, denn dichte Nebelschwaden hüllten Machu Picchu geheimnisvoll ein.

Erst 1911 wurde Machu Picchu, welches hoch oben eingebettet zwischen Berggipfeln liegt, entdeckt und als sich 99 Jahre später für uns der Nebel lichtete…

Mittwoch, 17. November 2010

Als Chaski ungeeignet oder n/doch zu wenig Coca…

Das Straßennetz der Inka schlängelt sich bis heute über weite Teile Südamerikas und mit einer Gesamtlänge von über 40.000 Kilometern war es größer als das römische. Auf diesen Pfaden waren die Chaskis (Stafettenläufer) zu Hause und übermittelten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Kilometern pro Tag Informationen.

Einen winzigen Bruchteil dieses Netzes nutzend, durchstreiften wir die Andenlandschaft unbedeutend langsamer ;), dafür aufmerksam und erfuhren auf 75 Kilometern in 4 Tagen windige Steppe, frostiges, alpines Hochland und Dschungel bei tropischen Temperaturen. Unsere Füße fühlten sich angesichts der schweren Schuhe schnell an den Himalaya erinnert. Trotz Höhen über 4.000 Metern, unbequemeren Nächten im Zelt, welches der nächtliche Regen einmal fast wegspülte, und blutsaugenden Sandfliegen verlangte es uns diesmal nicht nach Snickers – lag dies möglicherweise an dem regelmäßig von unserem Koch (ja, Gruppenreisen sind bequem!) verabreichten Cocatee?

Mittwoch, 10. November 2010

Von Kontinent zu Kontinent–Vorwärts in die Vergangenheit, oder zurück?


Goa, 04.11.10, 10:30 Uhr – Ein junges Ehepaar steigt in ein indisches Taxi, welches sie zum 70 Kilometer entfernten Flughafen bringt und von wo aus sie den einstündigen Flug nach Mumbai nehmen werden. Gefrühstückt hatten sie noch unter Palmen an Goa´s einsamen Südstrand Patnem. Zu diesem Zeitpunkt ahnten sie noch nicht, dass die lange Wartezeit in Mumbai, die sie in ihre Bücher vertieft verbringen wollten, durch diverse Komplikationen (Flughafentransfer, amerikanische Einreisebestimmungen) verkürzt werden sollte.

Mumbai, 04.11.10, 22:30 Uhr – Das Ehepaar besteigt endlich die Boing 777 nach New York mit Weiterflug nach Lima. 22:35 Uhr - Sie haben sich mit einem Kuss voneinander verabschiedet, ihre Kopfhörer aufgesetzt und folgen die kommenden 16 Stunden konzentriert dem fesselnden Entertainmentprogramm von Continental Airlines mit vierstündiger Unterbrechung für Dämmerschlaf. Der Gedanke fasziniert sie, dass wenn sie Feuerland erreichen werden, sie die Welt von Nord nach Süd umkreist haben, da die Flugroute über die Nordhalbkugel (Russland, Grönland, Arktis) führt.

New York, 05.11.10, 5:50 Uhr – Das Ehepaar beantwortet souverän alle Fragen des sehr neugierigen amerikanischen Grenzbeamten. Sie erläutern geduldig, warum sie keinen festen Wohnsitz und keinen Job haben, kurz nach der Heirat zu einer Weltreise nur mit einen Rucksack aufbrachen und wie sie das alles bezahlen.

Housten, 05.11.10, 12:00 Uhr – Dem Ehemann gehen zum zweiten Mal an diesem Tag die Augen angesichts des Angebots an Konsumgütern auf dem begrenzten Areal eines Flughafens über und in seinem Kopf entstehen Bilder wie die amerikanische Welt außerhalb des Flughafens erst aussehen muss. Die Ehefrau hält ihn mit Mühe von der illegalen Einreise in die Staaten ab während sie genüsslich ihren Cafe von Starbucks genießt.

Lima, 05.11.10, 22:40 Uhr – In spanischem Stimmgewirr suchen sie in der Menge von unzähligen Schildern, Luftballons und Blumen ihre Namen, um mit dem vorbestellten Taxi ins Hostel zu kommen. Ihnen wird bewusst, dass obwohl seit 35 Stunden auf den Beinen, erst 24 Stunden auf der Uhr vergangen sind und sie die Zeit überholt haben. Während sie in Indien fünf Stunden weiter als Deutschland waren, sind sie in Lima 6 Stunden hinterher. Waren sie dann zwischenzeitlich in einer Zeit, die sie schon erlebt hatten?!?

Nach einem Tag Schlaf war das Ehepaar endgültig in der peruanischen Zeit angekommen und die Hauptstadt Lima hieß sie herzlich willkommen.


Nach dieser Zeitreise heißt es für uns, uns mit dem in Housten erstandenen Reiseführer Südamerika zu beschäftigen. Unsere ersten Schritte führen uns ins Landesinnere nach Cusco, wo wir Flip Flops gegen Wanderschuhe tauschen und auf Inkapfaden Richtung Machu Pichu wandern.