„Excuse me, M’am Sir!”, “Just a moment, it doesn’t take long!“, „Look at my shop/ restaurant!“, „Do you smoke?“, “Taxi!? Today, maybe tomorrow?“, „Just buy anything!“… sind nur einige der Phrasen, die wir zwei Monate täglich in Indien hörten.
Bei einer der wild rasanten Busfahrten spiegelte sich direkt durch die Frontscheibe der Vergleich des Landes mit seinem Straßenverkehr. Aus einer anderen Zeit stammende Vehikel, von Tieren angetrieben, treffen auf neueste Karossen, löchrige Lehmpisten verlaufen neben 4-spurigen Autobahnen, maßgeschneiderte Anzüge flattern auf Motorrädern, bunte Sarons wedeln durch die Fenster von uralten Linienbussen – Indiens Moderne verläuft parallel zu seiner traditionellen Lebensweise, außerdem verlaufen mehrere Spuren für Religionen nebeneinander.
Auf die Hundertschaften von Göttern vertrauend ist jeder Verkehrsteilnehmer, von außen betrachtet ohne jegliche Vorausschau, getreu dem Motto "Die lauteste Hupe hat Vorfahrt!" unterwegs - Indien funktioniert scheinbar regellos, willkürlich, von höherer Macht gelenkt bzw. es sind eine laute Hupe, Beziehungen, Geld… nötig, um durch den „Lebensverkehr“ zu manövrieren.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo sogar die Polizei im Straßenverkehr auf korrekten Abstand achtet, herrscht in Indien sowohl im Straßenverkehr als auch im sonstigen Alltag ein völlig anderes Distanzgefühl - Drängeln mit Karosserie-Körper-Kontakt nichts Ungewöhnliches.
Was alles als Verkehrsmittel fungiert und welch verschlungene Wege durch den Verkehr führen, zeugen von der Kreativität der Inder – nicht nur auf der Straße, sondern auch beim Geschäfte machen.
Was alles als Verkehrsmittel fungiert und welch verschlungene Wege durch den Verkehr führen, zeugen von der Kreativität der Inder – nicht nur auf der Straße, sondern auch beim Geschäfte machen.
In diesem scheinbar ungeordneten Gewusel konnten wir auch verkehrsberuhigte Zonen entdecken und einige betreten – der Straßenverkehr war außen vor, als wir uns durch die vegetarisch vielfältigen Genüsse der indischen Küche kosteten, unterschiedliche Yogatechniken übten und uns in aller Stille der Meditation widmeten.
Zwei Monate in Indien sind vergleichbar mit einem kurzen Blick durch ein Busfenster und ist somit eine Momentaufnahme ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir hörten des Öfteren, Indien liebt oder hasst man, wir tun Beides und das Motto I.N.D.I.A. (i never do it again) ist nicht das Unsrige.
Gestern Abend ließen wir mit den Füßen im Sand und den Wellen des arabischen Meeres im Hintergrund viereinhalb Monate Weltreise Revue passieren – noch einmal gondelten wir durch Venedig, ließen uns den eurasischen Wind in Istanbul um die Nase wehen, waren sprachlos angesichts Pekings Überdimensionalität, erlebten Abenteuer in Tibet, trekkten in Nepal, durchreisten Indien von Ost nach West, meditierten im Norden Indiens und fegten den Sand aus unserer Hütte in Goa. Von hier aus verlassen wir Asien und brechen in für uns beide unbekanntes Terrain auf, sind neugierig auf und haben Respekt vor Südamerika…