Mit Anflug auf Belem erreichten wir die Mündung des Amazonas, wo pro Minute 12 Millionen Liter Wasser in den Atlantik fließen. Durch diese Hafenstadt schifft jeglicher Verkehr aus dem oder in das Amazonasgebiet. Diesem Umstand verdankt Belem seine rasche Entwicklung, die eine eher unattraktive Stadt hervorgebracht hat. Auf dem lebendigen Fischmarkt bekamen wir eine Idee, wie viele tausend Fischarten sich in den Gewässern des Amazonasbeckens tummeln. Somit ist 17 Prozent des weltweiten Frischwasservorkommens gleichzeitig Fischwasservorkommen und darum war Krissi hier kein einziges Mal schwimmen ;).
Wir suchten während unseres kurzen Aufenthaltes einen Kutter aus, der uns in fünf Tagen die 1.500 Kilometer flussaufwärts nach Manaus bringen sollte. Hierbei entschieden wir uns für die „Kreuzfahrtvariante“, buchten drei Quadratmeter Privatsphäre in Form einer Kabine und verzichteten bereitwillig auf Hängemattenatmosphäre.
Die Zeit an Bord verging trotz gemächlichem Reisetempo wie im Flug. Wir hielten täglich mindestens ein Nickerchen, beobachteten Delphine, Vögel, Sonnenuntergänge und das Leben am Flussufer, welches zwischen dicht besiedelt und unbewohntem Wald wechselte. Für uns glich der Amazonas eher einer Autobahn, auf der unaufhörlich Verkehr unterwegs ist. Wir waren überrascht, dass der Fluss an vielen Stellen die Breite eines Sees annahm und wie viel Leben sich um ihn herum abspielt.
Außerdem nutzten wir die Zeit, um mit Mitreisenden zu plaudern. Ein Deutscher hatte die Kabine nebenan und feierte mit uns Geburtstag, eine andere Deutsche litt in der Hängematte unter Kameraakkuausfall und an Insekten, ein brasilianischer Fotograf zeigte uns seine Bilder, norwegische Studentinnen beeindruckten mit ihren Portugiesischkenntnissen, zwei Ecuadorianer nutzten ihre Panflöten, mit denen sie schon durch Deutschland tourten, nicht und ein brasilianischer Junge steckte uns mit seiner Aufgewecktheit an während er Michael´s Moonwalk tanzte.
Kreuzfahrtfeeling kam unter anderem auch beim Landgang in Santarem und beim abendlichen Misto-Biertreff auf. Misto war die Spezialität einer immer schlecht gelaunten, zu eng gekleideten Bardame, die hierfür quadratische Scheiben Wurst und Käse auf Weißbrotscheiben anrichtete und diese Köstlichkeit in der Hitze des Sandwichmakers zerschmelzen ließ.
Unter der Äquatorsonne in Manaus, dem Endpunkt unserer „Kreuzfahrt“, verschmilzt indigene und westliche Kultur zu einer Millionenstadt umgeben von Regenwald. Wie in vielen südamerikanischen Städten wird auch hier koloniale Architektur von hässlichen Neubauten überragt. Wir schnupperten quirlige Hafenluft, streng riechenden Fischmarkt, stickige Atmosphäre unzähliger Händler in der Altstadt und luxuriöse Theaterluft im Teatro Amazonas, welches von der Boomzeit des Kautschuks kündet.
Am Karneval kamen wir Karnevalmuffel auch so weit weg von Rio nicht vorbei und schauten popcornessend zu wie die Brasilianer ihr liebstes Fest feierten.