Wir hielten zwar für neun Tage im „Paris Südamerikas“, waren aber ständig in Bewegung, denn in Argentiniens Hauptstadt gab es für uns so viel zu tun, dass der Artikel auch „Schlaflos in Buenos Aires“ heißen könnte.
Und ja, Buenos Aires und Tango sind untrennbar miteinander verbunden – tanzende Paare auf der Straße oder im Park, Tangoshows in Restaurants oder Theatern, Tangoklänge auf San Telmos Flohmarkt oder von Straßenmusikern in der U-Bahn, Tangounterricht für jeden und jederzeit. Auch wir ließen uns von unseren Tanzlehrern Gustavo und Cristina die Grundschritte für diesen bis zum Lebensgefühl reichenden Tanz zeigen und in DIE Donnerstagsmilonga einladen. Gustavo hat bei dieser Tanzveranstaltung seit zehn Jahren einen Tisch in der ersten Reihe reserviert, von dem aus wir die unterschiedlichsten Paare fasziniert beobachten und erste eigene Tanzversuche wagen konnten. Krissi hielt ausschließlich mit Martin Blickkontakt, da dieser, durch die Frau erwidert, als Einverständnis für den nächsten Tanz gilt. Zum zweiten Mal in dieser Woche ließ uns Tango unser Alkoholverbot nach der Gelbfieberimpfung vergessen und zog uns in seinen Bann aus Lebensfreude und Leidenschaft.
Würden wir Buenos Aires jedoch auf Tango reduzieren, wäre dies wie Musik mit nur einer Note zu spielen. Denn in dieser Stadt kauften wir auch gut und ausgefallen ein, lasen bei Kaffee in der beeindruckendsten Buchhandlung in einem stillgelegten Theater, standen bei der Präsidentin im Arbeitszimmer, schauten von „Evitas Balkon“, aßen das beste Eis der Reise aus Viertellieterbechern (kleinste Verkaufseinheit), besuchten Gräber berühmter Verstorbener auf dem Cementerio de la Recoleta, jubelten im leeren Stadion der Boca Juniors, bestaunten alte und neue Meister im Museo Nacional de Bellas Artes, aßen rustikal Steak auf der Straße und stylisch Sushi in der Cocktailbar, tanzten ab früh um zwei (vorher geht man in Buenos Aires nicht weg) bis zum Morgengrauen zu Electrobeats, waren winzig vor Segelschiffen im Hafen, ergatterten unser Visa für Cuba nach dreistündigem Warten auf der Botschaft, saßen im Park und aßen hausgemachtes Essen, das Nebeneinkommen sichert, schwatzten spanische Brocken bei der Pizza um die Ecke mit Immigranten aus Russland und Italien. Kurz, wir schliefen wenig und waren ständig in Bewegung.
Vor neun Tagen erreichten wir Buenos Aires mit der Fähre aus Uruguay kommend, marschierten unzählige Kilometer durch die Metropole und packen nun für die nächsten drei Wochen unsere Rucksäcke erneut in einen Fiat (größer als der letzte;) und wollen durch Argentinien kreuzen, bis ganz runter, anschlagen und zurück ;)