Havanna versetzte uns in die Stimmung eines Sonntagsspaziergangs. Wenig und in gemächlichem Tempo befahrene Straßen mit Fahrzeugen aus einer anderen Zeit, Ruhe ausstrahlende, ehrwürdige Fassaden, an denen die Zeit tiefe Furchen hinterlassen hat und deren sehr vereinzelt stattfindende Restauration ebenfalls keine Unruhe verbreitet, ein einziger Kran verursachte keinen Baulärm, antiquierte Möblierung und Ausstattung von Wohnungen und Restaurants sowie wenig einladende Schaufensterauslagen, die die Menschen noch nicht zu hektischem Konsum oder Schnäppchenjagden antreiben, ließen uns den Fluss der Zeit langsamer empfinden.
Unsere erste Nacht endete in den frühen Morgenstunden. Wir wollten anlässlich des Jahrestages der Revolution auf dem gleichnamigen Platz, gefühlt mit halb Kuba, Winkelemente schwenkend an den alten Veteranen vorbeimarschieren. Über leere, abgesperrte Straßen näherten wir uns dem Platz des Geschehens, wo Menschen und Militärfahrzeuge bereits Aufstellung genommen hatten und die Vermutung kursierte, dass Fidel heute da sein würde. Mit den winkenden und „Viva Kuba“ rufenden Demonstranten drehten wir friedlich eine Runde um den Platz, vorbei an Uniformierten und Funktionären, mussten aber leider feststellen, dass die Anwesenheit Fidels ein Gerücht war.
Nach diesem kubatypischen Auftakt widmeten wir uns der Erkundung der Altstadt und ihrem Charme, frischten unser Geschichtswissen im Revolutionsmuseum auf, sahen in der Zigarrenfabrik zu wie die berühmtesten Exportartikel in Handarbeit hergestellt werden und beschlossen unsere Abende draußen sitzend, kubanischer Musik lauschend, Mojito schlürfend oder Eis essend.
Kubaner haben Routine beim Warten. Auch wir übten uns in Geduld z. B. bei mehrmaligen Anläufen um ein Auto zu mieten. Einen zusätzlichen Tag Wartezeit nutzten wir sinnvoll und fuhren in vollgepackten Schwenkbussen zu einem Strand im Osten Havannas, gelegen hinter vertrauten Plattenbauten. Eine äußerst angenehme Art zu Warten wie wir finden und zusätzlich entschleunigt die kubanische Lebensweise die Melancholie, die wir neben Wiedersehensvorfreude angesichts unseres nahen Reiseendes empfinden.
P.S. Für alle (N)ostalgiker ;)