Mittwoch, 20. April 2011

Havannafeeling

Havanna versetzte uns in die Stimmung eines Sonntagsspaziergangs. Wenig und in gemächlichem Tempo befahrene Straßen mit Fahrzeugen aus einer anderen Zeit, Ruhe ausstrahlende, ehrwürdige Fassaden, an denen die Zeit tiefe Furchen hinterlassen hat und deren sehr vereinzelt stattfindende Restauration ebenfalls keine Unruhe verbreitet, ein einziger Kran verursachte keinen Baulärm, antiquierte Möblierung und Ausstattung von Wohnungen und Restaurants sowie wenig einladende Schaufensterauslagen, die die Menschen noch nicht zu hektischem Konsum oder Schnäppchenjagden antreiben, ließen uns den Fluss der Zeit langsamer empfinden.


Unsere erste Nacht endete in den frühen Morgenstunden. Wir wollten anlässlich des Jahrestages der Revolution auf dem gleichnamigen Platz, gefühlt mit halb Kuba, Winkelemente schwenkend an den alten Veteranen vorbeimarschieren. Über leere, abgesperrte Straßen näherten wir uns dem Platz des Geschehens, wo Menschen und Militärfahrzeuge bereits Aufstellung genommen hatten und die Vermutung kursierte, dass Fidel heute da sein würde. Mit den winkenden und „Viva Kuba“ rufenden Demonstranten drehten wir friedlich eine Runde um den Platz, vorbei an Uniformierten und Funktionären, mussten aber leider feststellen, dass die Anwesenheit Fidels ein Gerücht war.


Nach diesem kubatypischen Auftakt widmeten wir uns der Erkundung der Altstadt und ihrem Charme, frischten unser Geschichtswissen im Revolutionsmuseum auf, sahen in der Zigarrenfabrik zu wie die berühmtesten Exportartikel in Handarbeit hergestellt werden und beschlossen unsere Abende draußen sitzend, kubanischer Musik lauschend, Mojito schlürfend oder Eis essend.


Kubaner haben Routine beim Warten. Auch wir übten uns in Geduld z. B. bei mehrmaligen Anläufen um ein Auto zu mieten. Einen zusätzlichen Tag Wartezeit nutzten wir sinnvoll und fuhren in vollgepackten Schwenkbussen zu einem Strand im Osten Havannas, gelegen hinter vertrauten Plattenbauten. Eine äußerst angenehme Art zu Warten wie wir finden und zusätzlich entschleunigt die kubanische Lebensweise die Melancholie, die wir neben Wiedersehensvorfreude angesichts unseres nahen Reiseendes empfinden.

P.S. Für alle (N)ostalgiker ;)

Freitag, 15. April 2011

Auf der Suche nach Jamaikas Spirit

Den bewegtesten Moment hatten wir in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, und dem Beginn unserer Suche. Im Bob Marley Museum zählte unsere Führern von drei runter und wir Touris sangen umgeben von all seinen Alben, Gold- und Platinplatten: „One love, one heart, let´s get together and feel alright.“


Mit dieser Idee des Reggeakönigs und des Inselfeelings der vorherigen Inselhopperei waren wir ein gefundenes Fressen für Taxifahrer und Schlepper. Für Taxifahrten genau wie für Begleitungen inklusive erdachter Geschichten von selbsternannten nicht abschüttelbaren Guides zahlten wir teures Lehrgeld in J`s (Jamaikan Dollar).


Die herrlich grünen Hügel, durchzogen von Kaffee- und Bananenplantagen der Blue Mountains verließen wir zu fünft auf einer Sitzbank im Minibus, hatten den Rucksack auf dem Schoß und rasten in den Westen der Insel bis Port Antonio. Die noch bestehende Ursprünglichkeit dieser Kleinstadt genossen wir im großen Hafen, noch frei von Cruiseschiffen, badend oder beim nächtlichen Spaziergang durch die partyfreie Nachbarschaft.


Wir schwammen in DER Blauen Lagune, Brooke war nicht mehr da, dafür flunkernden Jamaikaner, denen wir mittlerweile „erwacht“ begegneten. In der Boston Bay, dem besten und kleinsten Surfspot Jamaikas, verbrachten wir den Tag, mittags mit bestem Jerk-Chicken, ein in würziger Sauce gegrilltem Hühnchen.


Ungefähr 350 Kilometer führten uns in sechs verschiedenen Fahrzeugen durch den gesamten Norden der Insel bis in den Westen, Negril. Anfangs rollten wir über holprige Straßen durch den Dschungel und als an der Küste die Ressortbunker auftauchten, wurde auch die Straße besser. Alle sonstigen Grundstücke entlang des Asphalts waren mit bunten Hütten gesäumt, die vorbeiziehende Landschaft durchweg schön anzusehen. Lokale Wegverpflegung, „Patties“ genannte Teigtaschen bei „Mothers“, durften bei all dem nicht fehlen.

Der Long Beach in Negril, an dem wir in einer verschlafenen Holzhütte neben einer deutschen Nachbarin Unterschlupf gefunden haben, ist laut Joseph, dem ständig Ganja rauchenden Besitzer, „raucherfreundlich“. Für uns genau richtig, Jamaika und damit das Inselhopping Revue passieren zu lassen, zu lesen, zu schwimmen, am Strand zu walken und hinter der Hütte Leibesertüchtigungen im Gras zu vollführen, hier beginnen auch unsere letzten vier Reisewochen.


Für uns Whities, wie wir hier häufig betitelt werden, hat Jamaika wenig von dem durch Reggeamusik vermittelten Spirit behalten. Beispielhaft ist, dass Joseph seine Hütten mit Mauer und Stacheldraht vor Landesgenossen schützt, Müll sorglos an den Strand geworfen wird und Kontakt häufig nur mit dem Hintergedanken von Geldmacherei aufgenommen wird. So, oder so ähnlich klingend:

Hey, pst Mon! You are Germans? Yes! I been Germany many times, have a friend, german baby,… Monn! Itellyou Mon! Yamonn! Whats your plan ? Relaaax Mon! I am a tourguide, good tour, I am a good man! I don´t charge you anything Mon! No thanks! … How much you give me? Häh? For what? For Essen, I make a little Essen from it because I don´t drink. And what is with the Wodka in your glas? Yeah Mon! Peace, Respect, Rastafarai, Mon!

Vielleicht kehrt sich die Geschichte um und was den Ureinwohnern und später Sklaven, nach der Entdeckung durch Kolumbus genommen wurde, holen sich ihre Nachfahren jetzt von den Touris zurück? Was würde Bob wohl für ein Lied über das heutige Jamaika schreiben?


Dienstag, 5. April 2011

Islandhopping is top!

Von Grenada schipperten wir über Carriacou, Union Island nach St. Vincent mit Fähre, Postboot und Schnellfähre einige Seemeilen durch die südliche Karibik. Jede Insel zog uns für einige Tage mit ihrem jeweiligen Flair an Land und wir ergaben uns diesem mehr als bereitwillig.


In Grenada waren wir direkt auf dem Hafengelände bei einer resoluten Mama untergebracht. Wir schlenderten durch die bergige Hauptstadt Georgetown, sahen die Festung sowie diverse Steinkirchen und plauderten länger mit einer ausgewanderten Österreicherin über Inselneuigkeiten, ihr „Schnitzelhaus“ und Reisen. Der Grand Anse Beach haute Krissi direkt von den Socken, Martin genoss nach ausgiebiger Planscherei eine Aloe Vera Massage direkt am Strand.


Kurz nach unserer Ankunft in Carriacou kämpften wir uns bereits über Trampelpfade durch dichten Dschungel und erreichten schließlich einen einsamen Strand, der uns mit kristallklarem Wasser, weißem Sand und dichtem Mangrovenwald begrüßte. An diesen kommen nachts die Schildkröten um ihre Eier abzulegen, damit von hier aus neues Leben ins Meer eintauchen kann. Sonntag früh beobachteten wir von unserem Balkon, mitten im verschlafenen Hillsborough, wie schick gekleidete Kirchgänger mit der Bibel unterm Arm Besorgungen erledigten, einfach plaudernd oder singend auf den Bus warteten. Dann zog es uns an den „Paradise Beach“, der seinem Namen alle Ehre macht und beendeten unseren Tag später mit einem Imbiss genau zur richtigen Zeit, die Sonne stieg gerade ins Wasser.


In Union Island bezogen wir für fast sechs Tage ein Honeymoonhäuschen in einem palmenbewachsenen Garten, der bis ans Wasser reichte. Auf der Veranda ließen wir die Seele baumeln und aßen eigene Kochversuche mit der Klangkulisse des rauschenden Meeres. Für ein wenig mehr Aktivität lieh Martin ein batterieunterstütztes Rad und erkundete mit nach zehn Minuten ausgefallener Batterie die wenigen Inselstraßen. Gleich um die Ecke zu dieser Idylle setzt Mutter Natur mit weiteren Inseln z. B. Palm Island, Mayreau und den Tobago Keys noch eins drauf.


Die zwei Gesichter St. Vincents offenbarten sich uns an der rauen Ostküste mit schwarzem Strand und heftigen Wellen sowie an der Westküste, ruhiger und gesäumt von Buchten. In der Walilalu Bay, einer der Filmkulissen von „Fluch der Karibik I & II“ schnorchelten wir am Riff entlang. Unseren Pausenkeks genossen wir auf einer Bank vor dem wohl kleinsten Wasserfall, den wir bisher gesehen haben. Seine Größe hat die Einheimischen jedoch nicht davon abgehalten, hier einen Nationalpark zu errichten.


Unsere Lebensgeschwindigkeit an die Ruhe und Gelassenheit der Inselbewohner angepasst, verbrachten wir eine wunderschöne Zeit, die rasend schnell verging. Wir freuen uns bereits jetzt, wenn wir das nächste Mal ein Boot besteigen und in diesen Breitengraden segeln können.

Zu Fuß konnten wir in der Morgendämmerung zum Flughafen von St. Vincent, um von hier mit Frühstücksstopp auf Barbados Segel Richtung Jamaika zu setzen.