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Freitag, 15. April 2011

Auf der Suche nach Jamaikas Spirit

Den bewegtesten Moment hatten wir in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, und dem Beginn unserer Suche. Im Bob Marley Museum zählte unsere Führern von drei runter und wir Touris sangen umgeben von all seinen Alben, Gold- und Platinplatten: „One love, one heart, let´s get together and feel alright.“


Mit dieser Idee des Reggeakönigs und des Inselfeelings der vorherigen Inselhopperei waren wir ein gefundenes Fressen für Taxifahrer und Schlepper. Für Taxifahrten genau wie für Begleitungen inklusive erdachter Geschichten von selbsternannten nicht abschüttelbaren Guides zahlten wir teures Lehrgeld in J`s (Jamaikan Dollar).


Die herrlich grünen Hügel, durchzogen von Kaffee- und Bananenplantagen der Blue Mountains verließen wir zu fünft auf einer Sitzbank im Minibus, hatten den Rucksack auf dem Schoß und rasten in den Westen der Insel bis Port Antonio. Die noch bestehende Ursprünglichkeit dieser Kleinstadt genossen wir im großen Hafen, noch frei von Cruiseschiffen, badend oder beim nächtlichen Spaziergang durch die partyfreie Nachbarschaft.


Wir schwammen in DER Blauen Lagune, Brooke war nicht mehr da, dafür flunkernden Jamaikaner, denen wir mittlerweile „erwacht“ begegneten. In der Boston Bay, dem besten und kleinsten Surfspot Jamaikas, verbrachten wir den Tag, mittags mit bestem Jerk-Chicken, ein in würziger Sauce gegrilltem Hühnchen.


Ungefähr 350 Kilometer führten uns in sechs verschiedenen Fahrzeugen durch den gesamten Norden der Insel bis in den Westen, Negril. Anfangs rollten wir über holprige Straßen durch den Dschungel und als an der Küste die Ressortbunker auftauchten, wurde auch die Straße besser. Alle sonstigen Grundstücke entlang des Asphalts waren mit bunten Hütten gesäumt, die vorbeiziehende Landschaft durchweg schön anzusehen. Lokale Wegverpflegung, „Patties“ genannte Teigtaschen bei „Mothers“, durften bei all dem nicht fehlen.

Der Long Beach in Negril, an dem wir in einer verschlafenen Holzhütte neben einer deutschen Nachbarin Unterschlupf gefunden haben, ist laut Joseph, dem ständig Ganja rauchenden Besitzer, „raucherfreundlich“. Für uns genau richtig, Jamaika und damit das Inselhopping Revue passieren zu lassen, zu lesen, zu schwimmen, am Strand zu walken und hinter der Hütte Leibesertüchtigungen im Gras zu vollführen, hier beginnen auch unsere letzten vier Reisewochen.


Für uns Whities, wie wir hier häufig betitelt werden, hat Jamaika wenig von dem durch Reggeamusik vermittelten Spirit behalten. Beispielhaft ist, dass Joseph seine Hütten mit Mauer und Stacheldraht vor Landesgenossen schützt, Müll sorglos an den Strand geworfen wird und Kontakt häufig nur mit dem Hintergedanken von Geldmacherei aufgenommen wird. So, oder so ähnlich klingend:

Hey, pst Mon! You are Germans? Yes! I been Germany many times, have a friend, german baby,… Monn! Itellyou Mon! Yamonn! Whats your plan ? Relaaax Mon! I am a tourguide, good tour, I am a good man! I don´t charge you anything Mon! No thanks! … How much you give me? Häh? For what? For Essen, I make a little Essen from it because I don´t drink. And what is with the Wodka in your glas? Yeah Mon! Peace, Respect, Rastafarai, Mon!

Vielleicht kehrt sich die Geschichte um und was den Ureinwohnern und später Sklaven, nach der Entdeckung durch Kolumbus genommen wurde, holen sich ihre Nachfahren jetzt von den Touris zurück? Was würde Bob wohl für ein Lied über das heutige Jamaika schreiben?