Freitag, 23. Dezember 2022

Halt in den Bergen beim Küstenwechsel

Für unseren Küstenwechsel, vom Karibischen Meer zum Atlantik, führte unsere Route quer über die Insel durch das Bergland, die Cordillera Central, in dem u. a. der höchste Gipfel der Karibik, der Pico Duarte mit 3.087 Metern, aufragt. Einst undurchdringlicher Rückzugsort für Piraten, ist sie heute „die Schweiz“ der Insel. Berge, Flüsse und kühlere Temperaturen veranlassen die, die es sich leisten können, hier ihre Ferienhäuser entfernt der Küsten zu errichten. 

Aufgrund der kurvigen Straße, war das Erreichen für uns auch wieder kurz vor der Plastetütennutzungsgrenze. Aber bereits beim Abendbrotstopp, welchen wir auf dem Fußweg in unser mitten im Wald gelegenes Ferienhäuschen einlegten, kamen Appetit und Laune wieder zurück. 

 
  

Unser Refugio mitten im Dschungel, aber direkt neben vielen, lauten Federtierchen, zelebrierten wir mit einem Terrassenfrühstück und nutzten ausgiebig den Sandwichmaker. Ava und Zoe richteten ihr eigenes Schlafzimmer häuslich vor und bauten das nahe gelegene Baumhaus zu einem Schönheitssalon um.

 
   
   

Das erste Abenteuer war unser anschließender Gang zum Supermarkt entlang der Hauptstraße, die sich wie eine lärmende, stickige Schlange durch das Tal schlängelt und mitreißt, was bzw. wer sich auf ihr befindet. 

Als Gegenprogramm wanderten wir am Nachmittag zum ca. 5 Kilometer entfernten Salto de Baiguate und stellten fest, dass überall, wo man wandern kann, auch motorisierte Gefährte unterwegs sein würden. Dennoch waren wir von der üppigen Vegetation und der Vielfältigkeit der Farbe Grün begeistert. Am folgenden Tag hatten wir für die Mädels in unserer Vorstellung einen Ausritt, „nicht auf der Straße“ und „entlang des Flusses“, mit einem Tourguide vereinbart. Sie ritten dann allerdings urban, teilweise begleitet von einem zweiten Guide auf dem Moped, zum Fluss und zurück. Dieser Unterschied zwischen Vorstellung und Realität ließ uns die ursprünglich geplante größere Wanderung zum El Mogote streichen. Als Alternativprogramm erkundeten wir  Jarabacoa, schnabulierten Eis und chillten am Abend auf der Terrasse mit „Emily in Paris“.

   
  
 

Am kommenden Morgen reihten wir uns in eine große Traube von Weiterreisenden ein, um unseren Küstenwechsel abzuschließen und in eine andere Welt am Atlantik einzutauchen.

Sonntag, 18. Dezember 2022

Langer Katzensprung - La Capital

Eine vermeintlich übersichtliche Strecke von ca. drei Stunden mit einem Umstieg hatten wir im Kopf, als wir gegen 14 Uhr ins Guagua mit dem Ziel Santo Domingo stiegen. Aber die Tücken, mit der sich die Küsten der sog. Neuen Welt Ende des 15. Jahrhunderts ihren Eroberern zeigten, zeigen sich heute im hiesigen Straßenverkehr. Untiefe Schlaglöcher, felsige Bürgersteige, umherströmende Verkehrsteilnehmer und technische Unzulänglichkeiten des Flottenbestandes verdoppelten unsere Reisezeit. 
 
 

Im Dunklen empfing uns die größte Stadt der Westindischen Inseln laut, stickig und schmutzig. Insbesondere der Verkehr überforderte Ava und Zoe, als wir vollbepackt unseren Weg zur Unterkunft suchten. In dem Moment wollte Zoe lieber nach Hause. Ein hier typisches bot unsere hiesige Unterkunft „La puerta roja“ mit zwar vergitterten, aber zum Wohnraum offenen Fenstern und Türen, welche Ein- und Ausblicke ermöglichen und damit Wohnung und Straße verbinden. 

  

„Wollt ihr heute noch etwas Leckeres essen?“ fragte Krissi die Mädels als wir, unseres Gepäcks entledigt, in Richtung Calle El Conde, der Hauptgeschäftsstraße, liefen. Bei der Antwort, was sie denn dabei im Kopf habe, mussten wir zu viert laut loslachen: „Reis mit Bohnen.“ Letztendlich gab es für die Kids einen von vielen Hamurgesas con papas fritas im Gran 24\7, einer offenen Bar mit Baseball im Fernsehen und vielen bunten Nachtschwärmer:innen. 

Älteste von Europäern in der neuen Welt errichtete Stadt hin oder her, unsere Morgenroutine war vor Sightseeing dran: Schule, Kaffee und Essen in den kleinen Geschäften um die Ecke besorgen, die Frühaufstehertruhe bei Duolingo freischalten und wieder einmal Pesos zu halbwegs vernünftigen Konditionen „besorgen“.

Anschließend ließen wir uns im Strom aus Touristen und Dominikanerinnen, Musik und Verkehrslärm, Straßenhändlern und Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Cafés durch die wechselvolle, brutale Geschichte der Kolonisation atmende Zona Colonial treiben.  

Ava und Zoe erinnern sich an den Ohrwurm des Buena Vista Social Clubs, den wir von einer der Bühnen dabei im Ohr hatten, an Baseballschläger und das 4-D-Kino.

     
  
  
  

Eine sehr bewegende Begegnung hatten wir, als sich Krissi eine Scherbe eintrat. Wir konnten einen Mann gerade noch davon abhalten eine Pinzette für sie zu kaufen. Nach dieser Begegnung kam uns folgendes Zitat aus dem Tagebuch von Christoph Kolumbus nach der Begegnung mit den Taínos, den in kurzer Zeit ausgerotteten Ureinwohnern, in den Sinn: „Ich kann nicht glauben, dass jemals ein Mensch so gutherzigen und freigiebigen und auch so schüchternen Leuten begegnet ist, die die größten Anstrengungen unternahmen, uns alles zu geben, was sie hatten.“ Wir fragten uns, wie es nach einer so erlebten Begegnung möglich war, einen so mörderischen Raubzug zu veranstalten…

Am Sonntag starteten wir nach einem längeren Gespräch mit einem in unserer Unterkunft gestrandeten Südafrikaner spät und blieben auch schon fünf Minuten später in einer Eckkneipe beim Finale der Fußballweltmeisterschaft hängen. Wir sahen bei Bier, Cola und Chips wie Argentinien Frankreich im Elfmeterschießen besiegte. Vorher entließen wir aber den in der Muschel mitgereisten und zwischenzeitlich stinkenden Krebs noch lebendig ins Meer.

 

Wir schlenderten an der heruntergekommenen und im Prinzip ungenutzten Uferpromenade Santo Domingos entlang und stoppten im Restaurant D‘Luis Parrillada, in dem etliche Geburtstage besungen wurden, um typisch zu essen. Das Mangú, ein Brei aus Kochbananen, kam leider als Mofongo mit hineingemischter Schweineschwarte und wir empfanden es als echt harte Kost, die uns daran erinnerte, die Lektion „lokales Essen“ unbedingt zu absolvieren. 

  

Die Mädels hatten uns anschließend einen zweiten 4-D-Kinobesuch abgeschwatzt. Von hier schlenderten wir in einsetzender Abenddämmerung zur abendlichen Tanznacht im Monasterio de San Francisco, wackelten mit den Hüften zu Salsa, Merengue, Bachata und Co. und verabschiedeten uns gedanklich von La Capital.

 

Freitag, 16. Dezember 2022

Steg in die karibische Schnorchelbadewanne

50 Schritte von unserem Appartement entfernt, hatten wir das Gefühl direkt in eine Postkarte zu blicken und verwarfen fast zeitgleich sämtliche zuvor gemachten Ausflugspläne. Wenn man schon fast alleine im Paradies gelandet ist, sollte man nicht mit weiteren Menschen auf einem Boot zu einer als Paradies beschriebenen Insel (Saona oder Catalina) schippern. Die Ausflugs-Gruppen, zum Teil auf Partybooten, beobachteten wir gepflegt von „unserem Steg“ aus, von dem aus wir zum Riff schnorcheln und schwimmen konnten und auf dem die Tage herrlich „tranquilo“ verstrichen und mit herrlichen Sonnenuntergängen endeten.

 
  
  
  
 

An unserem letzten Abend verließen wir dieses Fleckchen Erde zu einem „kleinen“ Sonnuntergangsspaziergang und landeten eine gute Stunde später, deutlich unterzuckert, im ersten Restaurant am Wegesrand von Dominicus. Die Sonne war längst im Ozean versunken.


Wir hatten Zoe und Ava beim Schnorcheln erklärt, dass wir Muscheln usw. an ihrem Platz lassen. Aber als Abschiedsgeschenk übergab ein Berliner Polizist, wir hatten ihn und seine Frau am ersten Abend beim Pizzaessen - einzige aktuelle Essensmöglichkeit hier - kennengelernt, den Mädels eine tolle Muschel, garantiert ohne tierischen Bewohner…