Als wir bei unserem abendlichen Erkundungsspaziergang durch Lumbini Richtung Horizont blickten, verabschiedeten uns die Berge mit einem letzten Ausblick. Die Gipfel lagen zu diesem Zeitpunkt über sieben Stunden Busfahrt hinter uns. Die Fahrt führte uns über einige Erdrutsche auf den Gebirgsstraßen, vorbei an vom Wandern bekannten Flüssen und vom Monsun überschwemmten Feldern - dieser nötigte uns auch im Inneren des Busses zu Regenbekleidung.
Lumbini, wo Prinz Siddharta in einem riesigen Hain vor über 2500 Jahren geboren wurde, war entgegen unseren Erwartungen ein kleines, sehr einfaches Dorf, welches kaum mit Touristen, und der für gewöhnlich um sie herum entstehenden Infrastruktur aufwartete. So stiegen wir in einem „very basic“ Guest House ab, wo uns feuchte Hitze, Mücken und harte Betten jede der drei Nächte um den Schlaf brachten. Das Essensangebot beschränkte sich auf Chapati mit Linsen am Morgen und Dhal Bat am Abend.
Entschädigt wurden wir von der Atmosphäre des Parks, die uns einen ganzen Tag gefangen hielt. Bäume und Klostermauerruinen, die vermutlich davon berichten könnten, wie der Prinz gleich nach seiner Geburt die ersten Schritte ging und in den Spuren Lotusblumen erblühten ruhten friedlich im Morgengrauen. Mit indischen Fahrrädern, die an einem Körperteil Krissis längere Spuren hinterließen ;) durchkreuzten wir weiter den Park, in dem länderspezifische Klöster, Tempel und Meditationshäuser die verschiedenen buddhistischen Ausprägungen darstellen. Bis zur vermutlich noch Jahre dauernden Fertigstellung aller Vorhaben wird die Atmosphäre hier und da von Baulärm und Baustellen unterbrochen. Wir unterbrachen unsere Tour für ein Nickerchen im Schatten der von Japan gestifteten und an diesem Tag menschenleeren Weltfriedenspagode, besuchten den deutschen Tempel, der mit akkuratem Garten, sauberer, schön gestalteter Anlage, allerdings ohne Mönche oder Deutsche offen stand und kehrten beim Sonnenuntergang zurück.
Unser Tagesausflug am Folgetag führte uns durch das nepalesische Hinterland ins ca. 25 Kilometer entfernte Tilaurakot. Hier besichtigten wir die Ruinen des Königspalastes, aus dessen Osttor Prinz Siddharta zu seiner Suche in Richtung Indien aufbrach und Familie und weltliche Güter hinter sich ließ. Wir verließen am Folgetag Nepal ebenfalls Richtung Indien. Dabei waren wir sprachlos verrenkte Statisten im Wettbewerb „Wer bekommt die meisten Menschen in einen Bus gestapelt?“, wissend um Buddhas erste der vier edlen Wahrheiten „Leben ist Leiden“ ... ;)