Samstag, 31. Juli 2010

Kathmandu

In einem fruchtbaren Tal umringt von Bergketten vereinen sich in Kathmandu die Annehmlichkeiten wie Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, warmes Wasser, Sitzklos und die negativen Erscheinungen wie Lärm, Dreck und Verkehrschaos einer westlichen Großstadt.


Wir nutzten die Hauptstadt Nepals um tibetischen Staub aus unseren Sachen zu klopfen, westlichen Genüssen nachzugehen wie z. B. Vollkornbrot, Burger, Salat und Schokolade essen, aber auch für Yogastunden, Literaturaufstockung, zur Erkundung der Gegend und für Recherchen bezüglich unserer nächsten Etappe und wohnten dabei im quirligen Stadtteil Thamal, die Dresdner Neustadt Kathmadus an einem sehr ruhig gelegenem Plätzchen mit eigener Dachterrasse. Auch unsere Rucksäcke unterzogen wir einer Nützlichkeits-Gewichtskontrolle und dank Winfried, einem Reisegefährten in Tibet, konnten wir einige Utensilien wieder nach Deutschland schicken.

Zu Fuß erkundeten wir Durbar Square (höchste Tempeldichte Nepals) und Swayambhu, einen der ältesten Tempel Nepals, für den Manjusri, der Buddha der Lehre, extra mit seinem Schwert einen Spalt in den Fels schlug, um den Bauplatz trocken zu legen. Seine Läuse wurden zu Affen, denen der Tempel seinen heutigen Beinamen „Affentempel“ verdankt. Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten im begehbaren Radius besichtigt hatten, erweiterten wir diesen zweirädrig motorisiert. Wir machten einen Abstecher zur früheren Königsstadt Pathan im Süden Kathmandus und ließen uns anschließend auf die spezielle Atmosphäre einer heiligen Hindustätte, Pashupatinath, ein. Hier bekamen wir mit Hindutempeln, Saddhus, heiligen Kühen und Leichenverbrennungen einen Vorgeschmack auf Varanasi in Indien. Mit hinduistischen Eindrücken ging es weiter nach Boudha, einer der größten Exilgemeinden für Tibeter in Nepal. Fast weggeschwemmt und klitschnass vom Monsunregen bezogen wir Quartier Fenster an Tür mit einem Kloster, so dass wir am folgenden Morgen 5:00 Uhr beim Morgengebet „live dabei“ waren. Wir fuhren vorbei an Reisbauern, wildem Marihuana, vereinzelten Häuschen und versuchten mit unser scheinbar veralteten Karte die richtigen Wege zu finden ohne den nepalesischen Straßenschildern Bedeutung entlocken zu können. Dank einheimischer Wegbeschreibung fanden wir den kürzesten aber auch schlammigsten, steilsten Weg mitten durch Reisfelder zum Kloster in Changu Narayan, von wo wir einen herrlichen Blick über das Kathmandu Valley hatten.


Nach einer kurzen Nacht ging es in einer aufregenden Busfahrt Richtung Westen nach Pokhara, wo wir am Nachmittag durch die Spitze des Machhapuchhre begrüßt wurden. Von hier brechen wir zu einer mehrwöchigen Umrundung des Annapurnamassivs auf und sind gespannt was uns erwartet.

Sonntag, 25. Juli 2010

Mt. Everest – Zhangmu – Kathmandu



Wir verabschiedeten uns vom Mt. Everest und auf der Fahrt Richtung Grenze zu Nepal nach und nach von Tibet. Auf dieser Fahrt, auf der wir wieder unter die Baumgrenze fuhren, veränderte sich die Landschaft drastisch und zu dem kompletten Gegenteil von bisher Gesehenem. Aus weiten, größtenteils staubigen Ebenen wurde sattes, grünes Gebirge. Wasserfälle stürzten rechts und links der Straße in einer gewaltigen Schlucht in die Tiefe. Nebelschwaden säumten unseren Weg und ein paar Wasserfälle dienten unseren Jeeps als Waschanlage.

Der morgendliche Grenzübertritt brachte uns auf der einen Seite 2 ¼ Stunden mehr Zeit, dank der Zeitverschiebung zu Nepal, auf der anderen Seite nutzten chinesische Grenzbeamte diese voll aus, um Rucksäcke vollständig zu kontrollieren und unter anderem Reiseführer durch Ausreißen der Seiten „Dalai Lama frei“ zu machen. Mit dem Überschreiten der Friendshipbrücke verließen wir China, betraten nepalesischen Boden und nach den Visaformalien einen nagelneuen Bus, was der Grund für eine schonende und sehr defensive, fünfstündige Fahrt nach Katmandu war. Durch die Fenster eröffneten sich die ersten nepalesischen Eindrücke - mehr Kinder, Hygiene am Straßenrand betreibende Menschen in farbenfroher eng besiedelter Landschaft.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Kailash - Mt. Everest

Tibeter waschen sich nur zu besonderen Gelegenheiten (Geburt, Hochzeit, Tod). Wir hatten nach drei Tagen ohne fließend Wasser das Bedürfnis nach ein wenig Hygiene. Diesem gingen wir jedoch nicht im heiligen Manasarovar Lake (Mutter der Natur) nach, in dem neben profanem Schmutz angeblich auch Sünden abgewaschen werden können, sondern wir wählten die öffentliche Dusche Darchens.

Sauber, gesättigt und glücklich bestiegen wir erneut unsere Allrad-Yaks mit dem Ziel Rombuk Kloster, des höchsten Klosters der Welt am Fuße des Mt. Everest. Der erste Blick auf diesen Giganten versetzte uns in helle Aufregung und wir konnten den Aufstieg zum Mt. Everest Base Camp kaum erwarten. Unsere Nervosität entlud sich in unzähligen Fotos des Berges bei Dämmerung und Sonnenuntergang. Nach eineinhalbstündigem Aufstieg erreichten wir das 'Touristen Base Camp', welches lediglich ein chinesischer Militärposten war. Wir erlebten leider keine Bergsteiger-Expeditions-Aufbruchsstimmung, aber der kurz wolkenfreie Gipfel des Mt. Everests entschädigte uns hierfür.

Einige Eurer Wünsche, die zu unserer Hochzeit nicht den Weg in die Luft fanden, trägt jetzt der Wind am Mt. Everest in die Welt. Mögen alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen!

Dienstag, 20. Juli 2010

Kailash - Reise zu sich selbst




Samstag, 17. Juli 2010

Lhasa - Kailash

Zu fünft im Jeep (inkl. Fahrer) erlebten wir auf einer Strecke von ca. 1.000 km bei Geschwindigkeiten von 25 bis 80 km/h Tibet mit seinen staubspuckenen, zum größten Teil unbefestigen, löchrigen Pisten. Die Fahrt führte uns über 5.000 Meter hohe Pässe, vorbei an Tibets heiligen Seen, durch dünn besiedelte Landstriche sowie vorbei an Yak-, Ziegen- und Schafherden der Normaden - die Weite Tibets als stetiger Begleiter.


Um die am Jeepfenster vorbei ziehendene Natur ranken sich zahlreiche Geschichten und Legenden. Die Legende des heiligen Yamdrok Tso besagt, dass die tibetische Kultur so lange überlebt, so lange sich Wasser in diesem See befindet.


Insgesamt verbrachten wir über 30 Stunden an 4 Tagen 'on the road' und hielten lediglich aus folgenden Gründen: Schlaf-, Foto-, Toiletten-, Essen-, Reparaturstop und natürlich für Sehenswürdigkeiten.



In Gyantse, in dem die Gyantse Dzong (Festung) hoch über der Stadt thront, hatten wir die Möglichkeit, dass einzig seiner Art erhaltene dreidimensionale Mandala mit seinen neun Stockwerken, 108 Toren und unterschiedlichsten Gottheiten, Heiligen, Buddhas und Boddhisatvas zu begehen und damit ein Königreich des Himmels zu betreten...;)



Das Tashilumpo Kloster in Shigatse ist die größte aktive Klostergemeinde in Tibet und war ursprünglich Sitz der Panchen Lamas, Reinkarnationen der Buddhas des ewigen Lichts (Amitabha) und neben den Dalai Lamas die zweite Führungsinstitution Tibets. Der derzeitige von China eingesetzte Panchen Lama lebt ausschließlich in Peking. Beeindruckt waren wir von der 26 Meter in die Höhe ragenden Maitreya-Buddha-Statue, in der unter anderem 279 Kilo Gold verarbeitet sind und fragten uns, was zuerst da war: Statue oder Tempel?!


In Tibet wird der Körper nach dem Tod traditionsgemäß an die Natur zurückgegeben. Dies geschieht bei Erwachsenen, indem der aufgeschlitzte Körper auf der sogenannten Sky Burial Site den Vögeln als Futter aufgebahrt wird. Kinderkörper werden dem Wasser und den Fischen übergeben. Auf unserer Kora um das Kloster waren wir darauf bedacht, die Sky Burial Site zu vermeiden, denn es soll Unheil bringen, diese Ruhestätte zu stören.

Nach dem Klosterbesuch in Sakya, wo wir unseren Akklimatisierungszustand auf über 5.000 Metern Höhe mit einer kleinen Wanderung testeten und für 'gut' befanden, legte unsere Weiterfahrt an Intensität zu: gebrochene Hinterachse, Straßensperren, nächtliches Gewitter (schaurig schön), schlafen zu fünft im Jeep wegen vom Erdrutsch verschütteter Straße, öffentliche Duschen, noch mehr Staub und mittlerweile äußerst sensible Hinterteile...


Doch alle Strapazen hatten sich gelohnt als wir den Kailash, den heiligsten Berg der Erde, mit seinem schneebedeckten Gipfel vor strahlend blauem Himmel in der Ferne erblickten. Laut einem chinesischen Bauleiter waren wir einige der letzten Touristen, die den Kailash nicht auf Asphalt erreichen, denn China treibt den Straßenbau bis zum Kailash mit Hochdruck voran. Die Vermutung liegt nahe, dass der Reisekomfort für Touristen nicht die Hauptmotivation für dieses zum größten Teil in Handarbeit ausgeführte Riesenprojekt ist.

Die Nacht verbrachten wir am Fuße des Kailashs in Darchen in 'a very simple guesthouse' und hatten das Gefühl, dass die überall herumlungernden wilden Hunde mit ihrem Gebell im Nachbarzimmer eingecheckt hatten. Den nächtlichen Gang zur ohnehin nicht einladenden 'Toilette' über den nicht beleuchteten Hof erforderte mehrmaliges Prüfen des Bedürfnisses. Der gepackte Reissack für das Yak sowie unser kleiner hauptsächlich mit Snacks und Wasser gefüllte Tagesrucksack waren die einzigen realen Vorboten auf die bevorstehende Kora. Unser Bewusstsein hatte noch nicht realisiert, dass es nach einer kurzen Nacht tatsächlich losgehen sollte.