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Freitag, 9. Juli 2010

Xi'an - Lhasa

Am frühen Morgen bahnten wir uns den Weg durch unzählige Menschen, die munter oder in jeglicher denk- und undenkbaren Position schlafend auf dem Bahnhof von Xi‘an warteten. Vor uns lagen noch 34 Stunden Fahrt auf der welthöchsten Eisenbahnstrecke nach Lhasa. Die Gesamtstrecke von Peking nach Lhasa ist erst seit 2006 eröffnet und auf ihr überquerten wir den Tanggula-Pass mit 5.072 Metern Höhe, 675 Brücken und den längsten Tunnel der Welt. Mit allen Superlativen bringt die Bahn nicht nur Vorteile, sondern auch fremde Lebensweise und Militär nach Tibet.
Die Zugfahrt verging dank verschiedenster Ablenkungsmöglichkeiten schnell: Schlaf, Chinesen, Hörbuch, Tibetreiseführer, Zugwanderung, erster Kontakt mit freundlichen Tibetern und atemberaubender Landschaft, die an unserem Zugabteil vorbeiflog und uns nur noch neugieriger auf dieses Land machte.



Donnerstag, 8. Juli 2010

Xi'an

Die zeitige Ankunft mit dem Nachtzug aus Peking bescherte uns einen langen und gut gefüllten Tag in Xi’an, der ersten Hauptstadt der Qin-Dynastie. Angefangen mit einem Orientierungsspaziergang im Morgengrauen, der im Versuch eines europäischen Frühstücks hungrig endete, über den Besuch der Terrakotta-Armee bis hin zur abendlichen Fahrradtour. Die Terrakotta-Armee, die der erste chinesische Kaiser zum Schutze nach seinem Tod anfertigen ließ, besteht aus 2000 ausgegrabenen und über 5000 noch unausgegrabenen Soldaten. Faszinierend ist, dass jeder dieser steinernen Beschützer einen anderen Gesichtsausdruck hat und sich die Krieger je nach Stellung und zugeteilter Aufgabe individuell unterscheiden. Zugegebenermaßen waren wir nach 2 Stunden Stein und Staub froh, die kilometerweite Ausstellung mit einem Eis am Stiel wieder verlassen zu können. Weitere Abkühlung von der feuchtwarmen Luft verschafften wir uns am Nachmittag durch jede Menge ‚Fahrtwind‘. Wir umrundeten das historische Xi’an auf der einzigen in China erhaltenen kompletten Stadtmauer erstmals gemeinsam stark auf dem Tandem und absolvierten so unsere tägliche Trainingseinheit.



Dienstag, 6. Juli 2010

Peking – neue Dimension



Die Hauptstadt Pekings ließ uns in neue Dimensionen eintauchen. Die räumliche Dimension, die wir als enorm weitläufig erlebten, umgab uns erstmals bei Ankunft auf dem Flughafen, setzte sich bei der Größe des U-Bahnnetzes fort, wurde bei jedem „Spaziergang“, welcher zu einer Wanderung ausartete bestätigt und verabschiedete uns auf dem gigantischen Pekinger Bahnhof Richtung Xi’an. Darüber hinaus überforderte jede der von uns besuchten Sehenswürdigkeiten (Lama Tempel, Yuyuantan Park, temple of heaven, Große Mauer, Tian’anmen Platz, Verbotene Stadt) unsere körperlichen und geistigen Ressourcen. Eskalation dieser Überforderung waren ein kurzer Sitzstreik von Martin bei einem abendlichen „Spaziergang“ und wackelige Knie bei Kristin nach sieben Kilometern Mauer bei über 35 Grad im Schatten. Essenstechnisch eröffnete sich bereits im Flugzeug die „chinesische Dimension“ in Form von Reisschleim mit Trockenzwiebeln und ??? – Continantel Breakfest adé, Insekten am Spieß Willkommen. Die Sicherheitsdimension war überall in Form von Uniformierten sichtbar, durchleuchtete unser Gepäck an jedem öffentlichen Eingang, in der Metro, auf dem Bahnhof und beeinflusste uns direkt bei unserem Blog, den wir erst außerhalb Chinas fortsetzen können. Die menschliche Dimension war teilweise gewöhnungsbedürftig: nacktbäuchige Männer, Bedürfnisse verrichtende Kinder auf der Straße, drängelnde, rotzende, nationalstolze und speziell riechende Menschen überall!
In Peking trafen wir unsere bunt gemischte Gruppe aus Deutschem, Österreicherin, Norwegerin, Kanadier, Australierin, Engländern und Iren, mit denen wir Tibet bereisen werden.
Vielen Dank Christian, für die ersten gemeinsamen Schritte in Peking und fürs Abholen. Alles Gute für Dich in Deinen letzten chinesischen Tagen und für die Rückkehr nach Deutschland.