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Mittwoch, 16. März 2011

Von Südamerika zu neuen Ufern

In Rio Carribe sind wir am nördlichsten Punkt unserer Südamerikadurchquerung und an der Karibikküste angekommen. Wir blicken auf sieben Länder mit seinen unterschiedlichen Bewohnern, Traditionen, Geschichten, Musik, …, atemberaubende Natur und die längsten Busfahrten unseres Lebens zurück. Das unbekannte Terrain Südamerika hat sich für uns in den letzten fünf Monaten zu einem bunten Länderteppich verwandelt, der mit jeder Faser einen anderen Klang erzeugt. Bei genauem Hinsehen ist dieser vertrauter als erwartet, denn Spanier und Portugiesen haben viele ursprüngliche „Stofffetzen“ rausgerissen und ihre hinterlassen. Für ein Wiederkommen ist ausreichend Stoff vorhanden.



Nach Europa, Asien und Südamerika schiffen wir uns morgen zur letzten Etappe ein und bahnen uns, beginnend mit Trinidad, abschließend mit Kuba, unseren Weg entlang einiger Inseln der Karibik.

P.S. Danke Danny...;)

Samstag, 19. Februar 2011

Trekking auf argentinisch

Der gemeine Argentinier mag es beim Trekkingausflug das Auto nur zum Grillen zu verlassen. Daher sind alle sehenswerten Plätze in der Natur mehr oder weniger mit dem Auto erreichbar. Dabei ist egal, was für ein Auto man fährt und auf welchen Untergründen man es bewegt - Straße ist, wenn man irgendwie drauf fahren, driften, holpern kann.

Mit unserem (im Nachhinein unverwüstlichen) Fiat tarnten wir uns als Einheimische, brachen von Buenos Aires aus auf und bewegten uns südlich. In drei Wochen legten wir im zweitgrößten Land Südamerikas (Deutschland passt flächenmäßig fast achtmal rein) ca. 7.500 Kilometer zurück. Dabei stellten wir schnell fest, dass unser Verhältnis zu Entfernungen relativ ist. So schaut z. B. ein Farmer am Sonntag mal kurz bei seiner kleinen Herde (2.000 Schafe) vorbei, die „um die Ecke“, 200 Kilometer entfernt, grast.


Wir cruisten von der Atlantikküste im Osten, wo uns kilometerlange Strände zum Baden, walken und auch zum draußen schlafen einluden, zu den Seen im Westen, die eingebettet in grünen Wäldern, unter anderem Vorstellungen von Kanada erzeugten.


Auf unserem Weg begleitete uns heftiger Wind, 6000 Jahre alte Höhlenmalereien von Ureinwohnern, Dinosaurierspuren, alles eingebettet in herrlich unendliche Weite.


Von hier aus ging es südwestlich in die patagonischen Anden, wo uns das in den blauen Himmel ragende Zickzack des Fitz Roy Massives den Atem raubte. Letztmalig packten wir unsere Trekkingschuhe für eine 34 km Tageswanderung aus.

Wir wussten bisher nicht, dass Gletscher sowohl in Größe als auch auch in Geschwindigkeit gemessen werden. Perito Moreno wächst am Tag über zwei Meter, ist damit der „schnellste“ Gletscher der Welt. Diesen beim Kalben zu beobachten war definitiv ein Highlight.

Für einen Ausflug nach Feuerland ließen wir unseren italienischen Flitzer in Rio Gallegos stehen, weil er nicht für Chile zugelassen war und bestiegen den Bus für die 12-stündige Fahrt mit vier! Grenzübergängen nach Ushuaia. Unseren Tag am Ende der Welt verbrachten wir wandernd, bootfahrend, Tiere beobachtend und Gegrilltes essend (Asado). Mit der Wende um den südlichsten Leuchtturm Argentiniens erreichten wir auch den südlichsten Punkt unserer Reise und werden die verbleibenden drei Monate nur noch nördlich ziehen.


Anschlagen und zurück! Auf dem Rückweg nach Buenos Aires genossen wir unsere Freiheit in der Natur, beim Schlafen unter freiem Himmel, Picknicken. Wir lauschten dem Schnattern der Pinguine, dem Geschrei der Seelöwen, dem ruhigen Grasen der Guanakos, dem Flügelschlagen der Raubvögel, …


ansonsten drehten wir die Musik im Auto auf und unterhielten uns natürlich ;)


  • M (gedankenschwanger): „Entwicklung ist, wenn jeder Argentinier den Trekkingweg mit dem Auto befahren kann…“
  • K beim Beobachten von Autos am Strand: „Ich glaube eine Strategie, um nicht steckenzubleiben, ist einfach semmeln!“
  • K beim Autofahren nach schreckhaftem Aufschrei von M: „Mach die Näppe (Augen) zu, wenn ich überhole!“
  • M nach erfolgloser Restaurantsuche beim hungrig ins Bett gehen (grummelnd): „Das war das typische Wegnahmeszenarium.“
  • K beim hinterherzuckeln (murrend): „Ich hup den glei an!“ Kurz später: „Der ist mit Jesus (Aufkleber) unterwegs, da kann ich auch nichts machen…“
  • K: „Wir hämmern uns das Abendbrot schnell noch rein, und dann geht’s noch ne Runde an Strand!“ M (ängstlich): „Du erinnerst mich an Michi“
  • K: “Meinste die berechnen uns was extra für die Innenreinigung des Autos?!?“
  • K singt völlig überzeugt: “I´m an Englishman, I´m an english Englishman, I´m an Englishman in New York…”
  • K: „Mach raus, das ist nass in ner Tüte!“ M: „Lass ma, nass in ner Tüte isses nur noch 10 Minuten “

Freitag, 28. Januar 2011

Buenos Aires – Bewegtes Anhalten

Wir hielten zwar für neun Tage im „Paris Südamerikas“, waren aber ständig in Bewegung, denn in Argentiniens Hauptstadt gab es für uns so viel zu tun, dass der Artikel auch „Schlaflos in Buenos Aires“ heißen könnte.


Und ja, Buenos Aires und Tango sind untrennbar miteinander verbunden – tanzende Paare auf der Straße oder im Park, Tangoshows in Restaurants oder Theatern, Tangoklänge auf San Telmos Flohmarkt oder von Straßenmusikern in der U-Bahn, Tangounterricht für jeden und jederzeit. Auch wir ließen uns von unseren Tanzlehrern Gustavo und Cristina die Grundschritte für diesen bis zum Lebensgefühl reichenden Tanz zeigen und in DIE Donnerstagsmilonga einladen. Gustavo hat bei dieser Tanzveranstaltung seit zehn Jahren einen Tisch in der ersten Reihe reserviert, von dem aus wir die unterschiedlichsten Paare fasziniert beobachten und erste eigene Tanzversuche wagen konnten. Krissi hielt ausschließlich mit Martin Blickkontakt, da dieser, durch die Frau erwidert, als Einverständnis für den nächsten Tanz gilt. Zum zweiten Mal in dieser Woche ließ uns Tango unser Alkoholverbot nach der Gelbfieberimpfung vergessen und zog uns in seinen Bann aus Lebensfreude und Leidenschaft.




Würden wir Buenos Aires jedoch auf Tango reduzieren, wäre dies wie Musik mit nur einer Note zu spielen. Denn in dieser Stadt kauften wir auch gut und ausgefallen ein, lasen bei Kaffee in der beeindruckendsten Buchhandlung in einem stillgelegten Theater, standen bei der Präsidentin im Arbeitszimmer, schauten von „Evitas Balkon“, aßen das beste Eis der Reise aus Viertellieterbechern (kleinste Verkaufseinheit), besuchten Gräber berühmter Verstorbener auf dem Cementerio de la Recoleta, jubelten im leeren Stadion der Boca Juniors, bestaunten alte und neue Meister im Museo Nacional de Bellas Artes, aßen rustikal Steak auf der Straße und stylisch Sushi in der Cocktailbar, tanzten ab früh um zwei (vorher geht man in Buenos Aires nicht weg) bis zum Morgengrauen zu Electrobeats, waren winzig vor Segelschiffen im Hafen, ergatterten unser Visa für Cuba nach dreistündigem Warten auf der Botschaft, saßen im Park und aßen hausgemachtes Essen, das Nebeneinkommen sichert, schwatzten spanische Brocken bei der Pizza um die Ecke mit Immigranten aus Russland und Italien. Kurz, wir schliefen wenig und waren ständig in Bewegung.


Vor neun Tagen erreichten wir Buenos Aires mit der Fähre aus Uruguay kommend, marschierten unzählige Kilometer durch die Metropole und packen nun für die nächsten drei Wochen unsere Rucksäcke erneut in einen Fiat (größer als der letzte;) und wollen durch Argentinien kreuzen, bis ganz runter, anschlagen und zurück ;)