Der gemeine Argentinier mag es beim Trekkingausflug das Auto nur zum Grillen zu verlassen. Daher sind alle sehenswerten Plätze in der Natur mehr oder weniger mit dem Auto erreichbar. Dabei ist egal, was für ein Auto man fährt und auf welchen Untergründen man es bewegt - Straße ist, wenn man irgendwie drauf fahren, driften, holpern kann.
Mit unserem (im Nachhinein unverwüstlichen) Fiat tarnten wir uns als Einheimische, brachen von Buenos Aires aus auf und bewegten uns südlich. In drei Wochen legten wir im zweitgrößten Land Südamerikas (Deutschland passt flächenmäßig fast achtmal rein) ca. 7.500 Kilometer zurück. Dabei stellten wir schnell fest, dass unser Verhältnis zu Entfernungen relativ ist. So schaut z. B. ein Farmer am Sonntag mal kurz bei seiner kleinen Herde (2.000 Schafe) vorbei, die „um die Ecke“, 200 Kilometer entfernt, grast.
Wir cruisten von der Atlantikküste im Osten, wo uns kilometerlange Strände zum Baden, walken und auch zum draußen schlafen einluden, zu den Seen im Westen, die eingebettet in grünen Wäldern, unter anderem Vorstellungen von Kanada erzeugten.
Auf unserem Weg begleitete uns heftiger Wind, 6000 Jahre alte Höhlenmalereien von Ureinwohnern, Dinosaurierspuren, alles eingebettet in herrlich unendliche Weite.
Von hier aus ging es südwestlich in die patagonischen Anden, wo uns das in den blauen Himmel ragende Zickzack des Fitz Roy Massives den Atem raubte. Letztmalig packten wir unsere Trekkingschuhe für eine 34 km Tageswanderung aus.
Wir wussten bisher nicht, dass Gletscher sowohl in Größe als auch auch in Geschwindigkeit gemessen werden. Perito Moreno wächst am Tag über zwei Meter, ist damit der „schnellste“ Gletscher der Welt. Diesen beim Kalben zu beobachten war definitiv ein Highlight.
Für einen Ausflug nach Feuerland ließen wir unseren italienischen Flitzer in Rio Gallegos stehen, weil er nicht für Chile zugelassen war und bestiegen den Bus für die 12-stündige Fahrt mit vier! Grenzübergängen nach Ushuaia. Unseren Tag am Ende der Welt verbrachten wir wandernd, bootfahrend, Tiere beobachtend und Gegrilltes essend (Asado). Mit der Wende um den südlichsten Leuchtturm Argentiniens erreichten wir auch den südlichsten Punkt unserer Reise und werden die verbleibenden drei Monate nur noch nördlich ziehen.
Anschlagen und zurück! Auf dem Rückweg nach Buenos Aires genossen wir unsere Freiheit in der Natur, beim Schlafen unter freiem Himmel, Picknicken. Wir lauschten dem Schnattern der Pinguine, dem Geschrei der Seelöwen, dem ruhigen Grasen der Guanakos, dem Flügelschlagen der Raubvögel, …
ansonsten drehten wir die Musik im Auto auf und unterhielten uns natürlich ;)
- M (gedankenschwanger): „Entwicklung ist, wenn jeder Argentinier den Trekkingweg mit dem Auto befahren kann…“
- K beim Beobachten von Autos am Strand: „Ich glaube eine Strategie, um nicht steckenzubleiben, ist einfach semmeln!“
- K beim Autofahren nach schreckhaftem Aufschrei von M: „Mach die Näppe (Augen) zu, wenn ich überhole!“
- M nach erfolgloser Restaurantsuche beim hungrig ins Bett gehen (grummelnd): „Das war das typische Wegnahmeszenarium.“
- K beim hinterherzuckeln (murrend): „Ich hup den glei an!“ Kurz später: „Der ist mit Jesus (Aufkleber) unterwegs, da kann ich auch nichts machen…“
- K: „Wir hämmern uns das Abendbrot schnell noch rein, und dann geht’s noch ne Runde an Strand!“ M (ängstlich): „Du erinnerst mich an Michi“
- K: “Meinste die berechnen uns was extra für die Innenreinigung des Autos?!?“
- K singt völlig überzeugt: “I´m an Englishman, I´m an english Englishman, I´m an Englishman in New York…”
- K: „Mach raus, das ist nass in ner Tüte!“ M: „Lass ma, nass in ner Tüte isses nur noch 10 Minuten “
